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Rücksichtnahme was ist das?

Leseprobe aus Kapitel 4

 

Also sind wir gut gelaunt und optimistisch am nächsten Tag nach Adana geflogen. Die Mitreisenden im Flugzeug waren überwiegend mit weißen Jalabiya gekleidet; den wir in Istanbul selten gesehen haben. Das Gefühl, im Flugzeug in ausschließlich westlicher, unter diesen Menschen in arabischer Kleidung zu sitzen, war eigenartig.

 

Das Flugzeug hatte noch nicht auf der Landebahn aufgesetzt. Da standen schon die ersten Männer auf, ließen sich von den Stewardessen und männlichem Begleitpersonal nicht zur Vernunft bewegen. Inzwischen war der Gang voll mit Männern die laut redeten. Anstand und Rücksichtnahme sind für diese Türken Fremdworte, die Frauen mussten sitzen bleiben.

 

Nachdem das Flugzeug zum Stehen gekommen war, stürmten alle zu den Ausgängen. Das Begleitpersonal hatte Mühe, dass die Männer die Türen nicht vorzeitig öffneten. Das zum Aussteigen aus dem Flugzeug von außen eine fahrbare Treppe notwendig ist, ist für uns klar. Von diesen Männern kann man dieses Wissen nicht verlangen.

 

Die Mitreisenden stürmten, nachdem die Türen geöffnet waren, undiszipliniert zu den Ausgängen. Die Türen des Flugzeugs waren für diese Leute viel zu schmal, denn vier Personen nebeneinander ging nicht. Auch durch lautes Schreien und Schubsen schafften sie es nicht.

 

Wir sind natürlich auch vor den Frauen, weil wir ja Männer sind, zur Tür und auf die Treppe geeilt. Auf dem Weg dorthin mussten wir ein paar Mal warten, da Servicefahrzeuge des Flughafens mit lautem hupen zwischen uns durchfahren wollten. Ich war der Meinung, dass auch Fluggäste Kunden sind, die man auch entsprechend behandeln sollte.

 

Ich lerne wohl nie aus, oder ist das in der Türkei anders?

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Kommentare: 1
  • #1

    Bernd Leicht (Samstag, 29 Dezember 2018 17:30)

    Nicht schlecht gestaunt haben wir, als ein mit einem Jalabiya bekleideter Türke, eine unter dieser Kleidung versteckte Pistole, wie als wenn es ganz selbstverständlich wäre, rausholte. Und in eine Tasche seiner Oberbekleidung steckte. Wir sollten diesen Mann, ein paar Tage später beim Notar nochmals begegnen.